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Jüdisches Mallorca entdecken – Call Maior

von Victoria
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In unserem heutigen Beitrag bewegen wir uns auf den vergessenen historischen Pfaden von Mallorca und tauchen in das mittelalterliche Palma ein, in dem es ein eigenes jüdisches Viertel, „Call Maior“ genannt, gab. Wer von euch die Altstadt von Palma zum ersten Mal besucht, wird mit Sicherheit von den kleinen verwinkelten Gassen begeistert sein, die ungeahnte Schätze der Vergangenheit beinhalten und von längst vergangenen Zeiten berichten.

Die Anfänge von Call Maior

Die jüdische Geschichte Mallorcas beginnt im 1. Jahrhundert v. Chr. während der Römerzeit. Im 3. Jahrhundert  wird die jüdische Bevölkerung in einem Brief des Bischofs von Menorca erwähnt und in dem Bezirk Santa Maria del Camí finden sich bis heute drei Bleibarren mit hebräischen Inschriften, die sich bis auf das 5 Jahrhundert zurückdatieren lassen.

Wie so viele jüdische Viertel weltweit, glich auch Call Maior in seiner Architektur mehr einem Getto, als einem eigenständigen Bezirk. Es war einst von einer Mauer umgeben und hatte eigene Eingänge für die ansässige Bevölkerung.

Die mallorquinischen Juden waren, wie in so vielen anderen Teilen Europas, eine nicht sehr geschätzte Minderheit und wurden auf der Insel mit dem Namen Xuetes gerufen. 

Jüdisches Mallorca entdecken

Wo befindet sich das Call Maior ?

El Call befindet sich im nordöstlichen Teil von Palma oder, grob gesagt, in dem Gebiet zwischen der Plaza Santa Eulália und der Porta d’es Camp. Die Hauptachsen des alten jüdischen Viertels bilden die Calle de Sòl und die Kreuzung der Calle de Montisión (ein Name mit offensichtlich jüdischen Wurzeln. Mont- Berg und Sión- Zion, Berg Zion) und der Calle del Seminari Vell. Heutzutage handelt es sich um ruhige Straßenzüge, die nichts von der oftmals brutalen Vergangenheit des Viertels schließen lassen. Die Kirche von Montesión war einst die Synagoge des Call Maior, auch wenn heute kaum etwas der Architektur an das einstige jüdische Gotteshaus erinnern lässt. Die wenigen erhaltenen Elemente der Synagoge sind Teil der Fundamente des heutigen Gebäudes und verlaufen von der rechten Seite der Fassade bis zur Rückseite der Kirche.

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Zwischen kulturellem Erbe und Verfolgung

Trotzdem fasziniert uns auch heute noch ein Spaziergang durch die verschlungenen Straßen des jüdische Viertels. Die bekannteste ist die sogenannte „Straße des Windes“, die aufgrund ihrer Lage, Anordnung und Enge dazu führt, dass immer ein stärkerer Luftstrom als in den übrigen Straßen durch sie fließt. An der Carrer Sol, die als Haupteingang zu Palmas jüdischen Viertels gilt entdeckt ihr eine Gedenktafel, die an den alten Eingang von Call Maior erinnert.

Wiederkehrende Massenmorde und Pogrome führten schließlich zum  Ende der mallorquinischen jüdischen Gemeinde, einer der bevölkerungsreichsten in ganz Spanien. Obwohl sie einige seiner herausragenden Persönlichkeiten wie den Seefahrer Jafuda Cresques nach Mallorca gebracht hatten, konnten sich die Juden nicht vor Intoleranz und Verfolgung durch die Kirche und später Inquisition retten. 

Das Erbe wieder aufleben lassen

Heutzutage wird das Interesse an der jüdischen Geschichte Mallorcas zunehmend größer. So gibt es von Seiten der Stadtverwaltung zahlreiche Initiativen, wie die Einrichtung eines „Centro de Interpretación del Call“, die auf den Spuren der ehemaligen jüdischen Bevölkerung Mallorcas wandeln und versuchen diese langsam wieder zu rehabilitieren und entsprechend zu würdigen. Doch obwohl sie scheinbar in den engen Gässchen von Call Maior verschwunden scheinen, verdanken typisch mallorquinische Nachnamen wie Fortesa, Pinya, Aguiló, Pomar oder Miró ihre Wurzeln dem jüdischen Erbe der Insel. 

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